So. 08.11.2026 > 11:00 h
Kulturzentrum Linse, Weingarten
frei!

Weltpremiere beim Trans4JAZZ-Festival 2026
Ein nasses Gitarrenriff in der Dunkelheit. Ein Bass, der den Boden unter den Bildern wegschiebt. Ein Schlagzeug wie ein Filmschnitt. Dazu Live-Visuals, die den Raum in ein flirrendes Kino verwandeln.
Mit LAKE NOIR entsteht ein konsequent audiovisuelles Projekt an den Bruchlinien von nassem Surf Rock, Film Noir und improvisatorischer Gegenwart. Vier künstlerische Handschriften begegnen sich in einem unberechenbaren Echtzeit-Dialog, um Kinomythen, Retro-Ästhetik und ungezähmte Gitarren-Instrumentals nicht bloß zu zitieren, sondern im Moment ihrer Entstehung gemeinsam neu zu definieren.
Den klanglichen Ausgangspunkt bildet der markante, physische Twang von Thomas Lutz. Seit vielen Jahren als professioneller Gitarrist in der Region verankert, entfesselt er bei LAKE NOIR einen hallgetränkten Ton, der die gesamte Bandbreite des Genres atmet: von den tiefen, ozeanischen Echos in Pipeline bis hin zur schwelgenden Melancholie von Wicked Game oder Sleep Walk. Diese Klassiker dienen ihm jedoch nie als starre Vorlage, sondern als offene Startrampe für spontane klangliche Entdeckungen und solistische Freiräume.
Ihm zur Seite steht mit Frank Itt eine der prägendsten Instanzen des deutschen Bassspiels. Als Produzent, international gefragter Tourmusiker und Dozent an der Popakademie Mannheim reicht seine Biografie von Jazz und Fusion bis auf die ganz großen Pop-Bühnen der Republik. Seine enorme Strahlkraft – online millionenfach geklickt und gefeiert – ist hier keine glatte Referenz, sondern ein Element von unbändiger improvisatorischer Urgewalt. Sein Bass treibt das Projekt an: dunkel, federnd und mit jener unnachahmlichen Klangautorität, die das Spiel der Band im Sekundentakt aufreißen, auffangen und verschieben kann.
Das rhythmische Gegengewicht liefert Raffael Auer. Der aus Kufstein stammende, schon im jugendlichen Alter mehrfach preisgekrönte Schlagzeuger begreift seinen Groove nicht als starres Metronom, sondern als offene, atmende Sprache. Mit traumwandlerischer Intuition und sensibler Präzision setzt er die entscheidenden Impulse – und verwandelt im spontanen Zusammenspiel Klassiker wie Wipe Out oder die rohe Power von Link Wrays Rumble in einen lebendigen, unberechenbaren Dialog.
Thomas Fuchs übersetzt diesen musikalischen Dialog direkt in den Raum. Auf mehreren Projektionsflächen inszeniert er ein flirrendes Geflecht aus Filmkorn, Schatten, Neon und abstrakter Bewegung. Über eine Live-Kamera fängt er flüchtige Details der Musiker auf der Bühne ein, verfremdet sie und integriert sie direkt in das interaktive Bildgeschehen. Musik und Bild reagieren im selben Augenblick aufeinander – ein wechselseitiges Zuspielen in Echtzeit, durch das die Bildflächen zum mitspielenden Instrument werden.
Das Repertoire zieht eine fesselnde Spur von cineastischen B-Movie-Zitaten und dem schattigen Retro-Charme à la Messer Chups über Henry Mancinis Detektiv-Kosmos, das unterkühlte James Bond Theme, die Rätsel von Twin Peaks und Morricone-Showdowns bis zur klaustrophobischen Tiefe von Klaus Doldingers Das Boot.
LAKE NOIR ist kein braves Retroprogramm und keine museumsreife Filmmusik-Revue. Es ist ein dichtes, atmosphärisches Zusammentreffen von Ton, Bild und Risiko – ein lebendiger, improvisierter Dialog, der bei jedem Konzert aus starren Strukturen ausbricht, niemals gleich klingt und den Hörer auf eine kompromisslos gegenwärtige Reise durch Licht und Schatten entführt.
Line-up:
Thomas Lutz – Gitarre, Effekte
Frank Itt – Bass
Raffael Auer – Schlagzeug
Thomas Fuchs – Live-Visuals, Live-Kamera